Dezember: Hello Hearts!

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Kolumnistin Suse Kaloff hat weder Stiefel geputzt noch eine Kerze auf dem Kranz, dafür eine Nacht in Kopenhagen geratzt, und auch sonst brennt die Hütte lichterloh...
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Gestern Abend kam ich aus Kopenhagen zurück. Ein 24 Stunden Trip, der makellos war, aber mit einer Verspätung, Blasen an den Füßen und einem knietiefen Soll endete. Ich war zweimal mit Männern in der dänischen Haupstadt, Lichtjahre her. Also nicht gleichzeitig mit zwei, sondern hintereinander. Diesmal entschied ich mich für eine Frau, teilte mit meiner Freundin ein Kämmerlein, das große Ähnlichkeit mit einer stilvollen Jugendherberge hatte. Die zwei Einzelbetten des Mid Century Design Hotels ( http://www.hotelalexandra.dk ) standen so über Eck, dass wir uns beim Quasseln vorm Einschlafen gegenseitig  fotografieren konnten: Zwei artige Schülerinnen, die weit vor Mitternacht in den Kojen liegen.
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Ich musste an das Shirt denken, das ich lezte Woche auf The Cut sah: „My bedtime is 8.45“ Denn schlafen vor Mitternacht ist Schnee von gestern, mittlerweile fanden Forscher heraus, dass der Schlaf vor 21 Uhr angeblich der gesündeste ist. Nächstes Jahr folgt sicher die Studie, dass man schon zur Teatime knacken soll. Der Vorteil am frühen Schlaf ist das frühe Erwachen. Um 8 Uhr standen wir bereits gestiefelt (Fehler: Cowboyboots taugen nichts für 10 Kilometer Märsche) und unverkatert vor Illum Bollinghuis, um Johan Bülow Lakritz zu kaufen. Dabei öffnet dort alles erst um 11. Die Dänen, Tsss. Kleine Randbemerkung: Am Abend, als wir bereits wieder auf der Fähre saßen, entdeckten wir im Duty Free Shop die gleichen Lakritz für den gleichen Preis, aber das Kaufgefühl unter der Neonröhre auf dem ollen Schiff war irgendwie gar nicht das Gleiche wie im Luxuskaufhaus, wo man uns schon vor dem Frühstück jede einzelne der köstlichen Kugeln hatte probieren lassen. Da sieht man mal wieder, dass es nicht immer nur auf den Inhalt, sondern auch auf das Ambiente ankommt. 
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Ähnlich ist das ja mit der Mode. Wer auf eBay Kleinanzeigen Designer Vintage kauft, bekommt im besten Fall einen gefütterten Umschlag, im schlechtesten Fall müffelt selbst der nach kaltem Rauch. So geschehen bei einem meiner bedeutesten Funde: Eine Yves Saint Laurent Tasche von 1976 aus der Russian Collection. Wichtiges Stück, heiß begehrt bei Sammlern, aber leider auch extrem rar. Es fand sich eine irgendwo in Mecklenburg Vorpommern, man versicherte mir, sie sei über Jahrzehnte wohlbehütet in einem Stoffbeutel im Schrank aufbewahrt worden. Ich tippe, dieser Schrank stand in einer Kneipe, noch wahrscheinlicher jedoch: Sie lag ohne Stoffbeutel seit 1976 auf dem Tresen einer Raucherpinte und hatte das ein oder andere Pils abbekommen. Aber Schwamm drüber, sie wochenlang mit Räucherstäbchen behandelt, sie ins Eisfach gelegt, naja, eben all die Tricks angewendet, die Profis so drauf haben.
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Vintage war auch der Anlass meines Trips nach CPH. Dort betreiben nämlich ein paar tolle Frauen, denen ich auf Instagram folge, Shops mit Designermode der vorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorletzten Saison. Man muss sich das ja immer beim Kaufen von Wertvollem vergegenwärtigen, dass das, was heute Bedeutung hat, in dreißg Jahren heiß begehrt sein wird: Céline ist das beste Beispiel! Unvergessen auch, dass mein erstes Honorar, das ich vor beinahe 20 Jahren für meine erste Kolumne bei dem damals coolsten Frauenmagazin Allegra bekam, in Miu Miu Cowboyboots floss, die ich bei Anita Hass erstand! Ich habe sie noch immer, wofür ich sehr dankbar bin, vor allem der mitfühlenden Frau, die sie mir auf einem Flohmakrt abkaufte und mir kurz darauf wieder zurückgab, weil ich so rumheulte. Jene, die mir mein Isabel Marant Brautkleid abkaufte, meldete sich leider nie wieder, obwohl ich öffentlich eine Suchmeldung rausgab.
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Das ist blöde an Trennungen: Manchmal sind sie für immer. Es muss also gut überlegt sein, was man behalten und was ziehen lassen möchte. Darüber, über Liebe zum Alten und Neuen, über Fashion, Trends und die besten Adressen in Kopenhagen habe ich übrigens mit Caroline Brasch gesprochen. Caroline ist ein Topmodel und coole Braut von Frederik Bille Brahe, der wiederum ist der Bruder von Sophie Bille Brahe, die wir für ihren Schmuck lieben. Demnächst also hier heiße Tipps und heiße Ohren. Stay tuned - and kind.
 

1 Kommentar

Illums <3 Allegra <3

Sibylle Januar 04, 2019

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