Mai: Hello Hearts!

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Kolumnistin Susanne Kaloff macht sich ab sofort jeden Monat ein paar Gedanken für uns, wie die Tage und Nächte süßer werden. Also theoretisch jedenfalls.
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Diesen Monat geht’s um Haltung, Hunger, Handys und den holprigen Pfad zu innerem Frieden.
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Seit 24 Stunden auf den Beinen, bitte um Verzeihung für Rechtschreibfehler und Schwachsinn. Komme grad aus Tokio, kann nicht aus den Augen gucken, aber trage Lurex Socken, auf denen „Spread Love“ steht. Und das ist auch schon mein Einstieg für das Relevanteste des Monats: The answer is love. No matter what the question is.
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Nach diesem kleinen Textabschnitt oben, während meines fünfstündigen Transits am Charles de Gaulle Airport, klappten Augen und Laptop zu. Als ich wieder zerknautscht auf einer Bank liegend erwachte, war meine Antwort: Fuck you. Auf welche Frage? No matter which one.
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In Japan lernte ich hingegen, dass man seine Gefühle beherrschen soll. Das gilt dort als Tugend. Als wir eines Morgens einen Tempel besuchten, knurrte mein Magen, ich wurde unleidlich und beschuldigte alle Beteiligten und völlig Unbeteiligten an meinem lebensbedrohlichen Zustand. Warum hat keiner an Frühstück gedacht, warum haben die Cafés noch nicht geöffnet, wie kann es sein, dass der Bus nicht kommt... Ist es nicht interessant, wie sehr man sich nicht im Griff hat? Und was genau befürchtete ich? Zu verhungern? Der Zen Mönch Soén Ozeki trug ein Gedicht vor: A Song of Gratitude. Es enthielt den Satz: „Not getting angry. Patient. Peaceful.“
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Ich schämte mich. Und kaufte milde lächelnd ein Paket Räucherstäbchen, um zu demonstrieren, dass ich total entspannt bin. In Zeitlupe lief ich der Reisetruppe hinterher zum Supermarkt, erstand ein Kilo Bananen, die, safety first, alle noch mal einzeln in Plastikfolie verschweißt waren, setzte mich auf eine Bank und aß drei Stück hintereinander, ohne dabei einen einzigen Atemzug zu tun.
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In der Tokio Metro weinte eine Frau neben mir, die niemand beachtete. Jeder starrte in sein Telefon. Sie schluchzte vor sich hin und kramte in ihrem Handy rum, als suche sie darin nach einem Taschentuch. Was ich sonst noch in Japan gelernt habe? Dass es Matcha-Spaghetti gibt, Männer einem nicht hinterherpfeifen, nicht jede Frau im Kimono eine Geisha ist, man gar nicht genug grünen Tee trinken kann. Und nicht auf alles eine Antwort im iPhone findet.   

1 Kommentar

Wie immer spannend. Man erkennt sich selbst in Ihren Erzählungen. Danke Susanne

Dina Wiederkehr Juni 03, 2018

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