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Oktober: Hello Hearts!

von Unbekannt
am
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Kolumnistin Suse Kaloff hat ihr Office dieses Mal über den Wolken aufgeschlagen. Und ein Zelt im australischen Busch: Kängurus und Drinks all inclusive.
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First things first: Ich habe wieder WLAN! Das ist insofern eine Meldung wert, weil ich bis vorgestern im Busch in Australien weilte, wo es Kängurus und Schlangen, jedoch kein Netz gab. Interessant, wie schnell das eine Gruppe von Menschen aus der Bahn wirft. Mich selbstverständlich nicht, weil ich cool bin. Daran glaubte ich, bis am Abend eine Spinne vor meinen Füßen lag. Sie war einen Tick zu groß, um sie für eine Mücke zu halten. Zumal der Guide, der uns ins Glamping (Mischung aus Glamour und Camping) einwies doch noch am Morgen erwähnt hatte, es gäbe keine Mücken, weswegen man das Netz am Luxus Zelt ruhig die ganze Nacht geöffnet lassen könne.
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Aber jetzt war es Nacht, keine Lichtverschmutzug durch urbanes Leben, nur Natur, fünfzehn Zelte im Outback, die Brandung und meine mitgebrachte Millionen-Watt-Taschenlampe, die ich einsetzte, um unters Bett zu leuchten. Dort lag eine lang schwarze, dünne, mit Sicherheit extrem giftige Schlange, die sich im weiteren Verlauf der langen Nacht als ein USB-Kabel entpuppte.
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Wozu fragt man sich, wenn das Handy doch ohnehin nicht funktioniert. Na ja, sicher, um es immer laden zu können, um sagenhafte Fotos zu schießen von Schlangen unter der Kingsize-Koje. Der Ort, an dem das alles stattfand, heißt übrigens Sal Salis am Ningaloo Reef und ist einer der magischten Ziele, die man auf seine To-Go-Liste schreiben sollte. Eine Nacht in so einem Zelt kostet so viel wie die Hälfte einer, sagen wir, Saint Laurent Bag. Allerdings inklusive aller alkoholischer Getränke, also die 24-Stunden-Bar ist im Preis der Lodge, nicht in jenem der Handtasche inkludiert. Am Morgen wachte ich um 5 Uhr mit der Taschenlampe in der Hand auf, noch im Pyjama lief ich raus, der Himmel pastell, die Sonne noch nicht mal aufgestiegen. Ein Pyjama war es auch nicht direkt, eher das Outfit, das ich am Abend zuvor trug, weil ich mich nicht mehr traute auszuziehen, wegen der Schlangen unterm Bett und der Känguru Knüddel hinter meinem Outdoor-Badezimmer, ach und überhaupt.
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Nicht weit von meinem Zelt saßen in den Dünen zwei Gestalten, die verharrten und mich anglotzen, als ich verpennt aus dem Zelt stieg. Wenn Kängurus sich fürchten, hüpfen sie nicht sofort weg, sondern erstarren erst mal, um dann in Slowmo ihr Hinterteil über den Boden zu schleifen, was sehr rührend aussieht. Es war einer der schönsten Tagesanbrüche meines ganzen Lebens, dort an der Korallenküste in Westaustralien.
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Nun sitze ich im Himmel auf 46H, tippe meinen abenteuerlustigen Reisebricht und kann es nicht glauben, gerade am anderen Ende der Welt gewesen zu sein. Es ist morgens, oder Nacht irgendwo, ich weiß es nicht, habe auf drei Sitzen ausgestreckt geschlafen wie ein Delphin: ein Auge immer einen Spalt geöffnet unter der Schlafmaske. Drei Tee intus und bester Dinge, frage ich mich, warum sich Männer in Flugzeugen immer stretchen müssen und so auf den Fußspitzen wippen im Gang. Ich sitze manchmal drei Wochen am Schreibtisch ohne mein Becken ein einziges Mal zu kreisen, da wird man doch mal elf Stunden lang auf seinen fünf Buchstaben hocken könne. Oder sind es nur vier? Na ja, whatever works. Auf was ich mich zu Hause am meisten freue? Auf Ulla Johnson- und mein Bett.

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